Praxisbeispiele

Schon seit ein paar Jahren existiert in der Kindertagesstätte die Regel, dass alle zwei Wochen Spielsachen von zu Hause mitgebracht werden dürfen. Im Zuge einer internen Evaluation gemäß dem Situationsansatz stellen die pädagogischen Fachkräfte diese Praxis noch einmal mit Hilfe der vier Planungsschritte auf den Prüfstand.

Besonders interessiert und neugierig waren die pädagogischen Fachkräfte an der Sichtweise der Kinder. So direkt hatten sie bisher die Kinder noch nicht um ihre Erfahrungen und Meinungen gefragt. In einer Kinderkonferenz sprechen sie mit den Kindern über den Spielzeugtag und erfahren, dass dieser Tag auch stark dafür genutzt wird, vor den anderen Kindern anzugeben.

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Sehr zur Überraschung des Teams sind auch viele pädagogische Fachkräfte mit dem Spielzeugtag unzufrieden: Die Regeln werden nicht konsequent eingehalten und keiner weiß mehr, was der Grund für die Einführung des Spielzeugtages war.

 

Auch viele Eltern verbinden den Spielzeugtag schon lange mit Stress und Druck, besonders wenn sie vergessen haben, ein Spielzeug für die Kinder mitzubringen. Für manche Familien stellt der Spielzeugtag auch eine Herausforderung im Umgang mit unterschiedlicher Wertigkeit der Spielsachen dar.

 

Nach den Gesprächen mit den Kindern und Eltern kommt das Team zu der Entscheidung, den Spielzeugtag abzuschaffen. Die Kinder können Spielsachen von nun an jederzeit mitbringen. Gleichzeitig werden gemeinsam Regeln vereinbart, dass mit einem Spielzeug weder angegeben noch jemand beschämt werden darf.

 

Nach einiger Zeit wertet das Team aus, was sich seit der Abschaffung des Spielzeugtags in der Kindertagesstätte verändert hat. Die Tatsache, dass die pädagogischen Fachkräfte die Kinder von Anfang an in die Neuüberlegungen zum Umgang mit dem Spielzeugtag mit eingebunden haben, hat einiges im weiteren Alltag verändert. Die pädagogischen Fachkräfte hören jetzt viel aufmerksamer auf Anregungen oder Kritik von Kindern. Sie trauen ihnen mehr zu und lassen es auch zu, dass sie im Alltag mehr Verantwortung übernehmen, ohne sie jedoch zu überfordern. Besonders erstaunt hat es die pädagogischen Fachkräfte, dass es seit der Abschaffung des Spielzeugtages weniger Konflikte um die Spielsachen gibt. Insgesamt hat sich die Situation für die Kinder, Eltern und auch die pädagogischen Fachkräfte entspannt. Die Eltern melden zurück, dass sie sich nicht mehr unter Druck fühlen. Da alle mit den jüngsten Erfahrungen zufrieden sind, sollen als nächster Schritt auch andere Regeln im Haus mit den Kindern und Eltern auf ihren Nutzen hin überprüft werden.

 

 

Foto: ein Kind spielt mit Bausteinen

Quelle: Preissing, C.; Boldaz-Hahn, S. (2009), Qualität von Anfang an. Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co. KG, Berlin